Die AfD und der Antisemitismus

Der Schoß ist fruchtbar noch,
aus dem das kroch.
Bertolt Brecht

Lange schon war mir klar, dass die Revisionisten sich in dem Maße aus der Deckung wagen würden, in dem die Zeitzeugen des sogenannten Dritten Reiches, die Opfer zumal, das Zeitliche segnen. Aber die Dreistigkeit, mit der Vertreter der AfD vorgehen, übersteigt meine eh schon bescheidenen Erwartungen.

Nun ist es Wolfgang Gedeon, der sich Abgeordneter des baden-württembergischen Landtags nennen darf und nun fordert, die Kampagne »Stolpersteine« zu beenden. Die 1993 begonnene Aktion zum Gedenken an NS-Opfer nicht nur in Deutschland gilt ihm als »aufgezwungene Erinnerungskultur«.1)Tagesschau-Bericht

Nun heißt es, der antisemitische Arzt sei selbst parteiintern ein Außenseiter. Das mag glauben wer will. Die Schlussstrich-Denke, das Diffamieren von Denkmälern, die Geschichtsklitterung, der als Israel-Kritik getarnte Antisemitismus und der aus jedem Knopfloch der Anzug tragenden Biedermänner dringende Rassismus2)Maske verrutscht sind Teil des AfD-Erbguts. Mit oder ohne Gedeon.

Für mich sind übrigens die Stolpersteine wichtiger als andere mehr oder weniger gelungene Denkmalsentwürfe an zentralen Orten. Denn sie tragen die Erinnerung an den Holocaust dahin, wo er begann: in Dörfer und Städte, in Straßen und Häuser. Sie geben den Opfern Namen und zeigen jedem, der es sehen will, dass der Nazi-Terror nicht nur etwas mit weit entfernten Orten zu tun hatte, sondern in der Nachbarschaft seinen Ausgang nahm.

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